Äpfel aus dem Paradies zu verschenken

naturblau Apfel Sharing

Foto von Ilmari Thömmes

Motiviert durch die Idee von Lebensmittelrettung zusammen mit Gedanken des Gemeinwohls und des Teilens wurde am Donnerstag, den 22.9. frei verfügbares Obst aus dem öffentlichen Raum im Konstanzer Stadtteil Paradies zusammen mit Rezeptideen an Passanten verschenkt.

Über 50 kg an Obst wurde in Papiertüten eingesammelt. An den Tüten waren Rezeptvorschläge für selbstgemachte Apfelmarmelade, -kompott und -saft befestigt. Die Tüten wurden an vorbeikommende Passanten verschenkt mit dem Hinweis, doch öfter mal was zu probieren, was garantiert natürlich gewachsen, ungespritzt und dazu noch kostenlos vor der eigenen Haustüre liegt.

Die beschenkten Passanten reagierten von freudig überrascht, über ungläubig, dass es was so ganz umsonst gibt, bis hin zu „oh, das finde ich toll, dass so junge Leute heutzutage so was noch machen“. Insbesondere ältere Damen und Herren erinnerten sich, dass dies in früheren Zeiten gang und gäbe war, selber zum Aufklauben zu gehen und auch fester Bestandteil der eigenen Ernährung durch die Jahreszeiten hindurch.

Die Mithelfer der Aktion waren selbst überrascht wie schnell sich die mitgebrachten Tüten mit Äpfel und Birnen füllen ließen. Einmal kurz an den Bäumen geschüttelt und schon regnete es herrlichste Vitamin- und Gaumenfreuden. Was auch auffiel war, dass es allein in der Gottlieberstraße unterschiedlichste Sorten an Obst in vielerlei Farben und Formen gab. Spannend wäre noch zu erfahren, warum gerade hier so viele Obstbäume auf öffentlichem Grund stehen (ist das vielleicht ein Relikt aus der Nachkriegszeit?) und wie diese zum Teil köstlichen Sorten denn alle so heißen.

Für den Transport sorgte das freundlicherweise zur Verfügung gestellte Leihradsystem TINK, eine Leiter und Obstpflücker wurde von monomeer beigesteuert. Lieben Dank für die Unterstützung.

> Link zur Fotogalerie der Aktion


Die Themen Regionalität, Saisonalität, Biodiversität bei Lebensmitteln sind gerade in aller Munde und daher kam die Idee zu einer öffentlichkeitswirksamen Aktion auf der Straße. Damit soll aufgezeigt werden, dass wertvolle, kostenfreie Nahrung bei uns vor der Nase liegt und was man damit alles leckeres machen kann. Gemeinwohl-, Foodsharing- und Mundraub-Gedanken spielen da mit rein.

Insbesondere die Bodenseeregion ist vor allem um diese Jahreszeit reich an einem voll gedeckten Tisch mit leckerem, gesunden Obst, aber auch Nüssen und Kräutern. Wozu dann noch die Äpfel aus Neuseeland und die Birnen aus Südamerika zu uns bringen, wenn wir hier mehr als genug haben? Und ab und an ein kleiner Wurm im Apfel ist doch auch mal ein willkommener Proteinsnack für alle Freizeit-und Hobby-Veganer, oder? 😉

Man muss es nur schlau machen, dann hat man nicht nur nahrhaftes Obst, sondern auch jede Menge Spaß dabei. Selbstverständlich sind hierbei auch Regeln zu befolgen, so dass sich keine rechtmäßigen Besitzer von Bäumen und Sträuchern „beraubt“ fühlen. Z.B. Achtung von Eigentumsrechten, behutsamer Umgang mit der Natur, nur für den Eigenbedarf pflücken, mit anderen Teilen und sich für die Pflege und Nachpflanzung von Obstbäumen engagieren.

Als netter Nebeneffekt wird der oder die Ein oder Andere vielleicht dazu animiert, mal wieder was selber zu kochen oder zu backen statt einfach und bequem fixfertig zu kaufen. Die Wertigkeit und die Arbeit bei der Zubereitung von frischen Lebensmitteln sich zu vergegenwärtigen und zu schätzen zu wissen.

Und man kann damit darüber hinaus auch gleichzeitig ein klitzekleines Zeichen setzen gegen den größten Lebensmitteldiscounter, der einem mit seiner aktuellen „einfachen“ Werbekampagne weiß machen will, dass man keine 10 Sorten von etwas braucht, sondern nur noch eine. Das ist ein Trugschluss – nicht die konzerngesteuerte, industrieagrar-gerichtete Einfachheit, sondern die natürliche, biodynamische und dezentrale Vielfalt garantiert uns einen Fortbestand von alten und heimischen Sorten.

Und: Einen Apfel im Paradies von einer Frau geschenkt bekommen – das war doch schon  immer etwas ganz besonderes; und muss auch nicht immer Sünde sein. 😉

Die Aktion soll aufmerksam machen auf einige Initiativen, die sich mit unterschiedlichen Gedanken zu Nahrungsmitteln im öffentlichen Raum und in unserer Umwelt machen.

Mundraub.org verfolgt das Ziel, in Vergessenheit geratene Früchte wieder in die Wahrnehmung zu rücken und in Wert zu setzen, um sie als Teil unserer Kulturlandschaft und der Biodiversität dauerhaft zu erhalten. Mundraub ist eine Plattform für alle, die heimisches Obst im öffentlichen Raum entdecken und die essbare Landschaft gemeinsam gestalten wollen. Mehrere zehntausend Menschen engagieren sich sowohl online, als auch im realen Leben, um auf einer interaktiven Karte im Netz Fundorte miteinander zu teilen, gemeinsame Pflanz- und Ernteaktionen durchzuführen oder in regionalen Gruppen auszutauschen. Die Vision von Mundraub ist es, heimische Obstbäume, Streuobstwiesen und Obstbaumalleen zu erhalten, um so ein fruchtiges Grundauskommen für alle zu schaffen.
http://mundraub.org

foodsharing setzt sich zusammen mit tausenden anderen engagierten Menschen für das Ende der Lebensmittelverschwendung ein. foodsharing ist eine Initiative, um Foodsaver und BotschafterInnen zu organisieren, Lebensmittel von Lebensmittelbetrieben aller Art zu retten, die Internationalisierung von foodsharing voranzubringen, Veranstaltungen zum Thema zu organisieren uvm.
https://www.facebook.com/groups/foodsharingkonstanz/
https://foodsharing.de/

Die Gemeinwohl-Ökonomie etabliert ein ethisches Wirtschaftsmodell. Das Wohl von Mensch und Umwelt wird zum obersten Ziel des Wirtschaftens. Wie würde eine Ökonomie aussehen, in der nicht das Geld, sondern das Gemeinwohl zum obersten Ziel des Wirtschaftens wird? Dazu zählen u.a. Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und das Teilen mit anderen. Und Essen mit Anderen zu teilen ist eine der ursozialsten Handlungen des Menschen.
http://konstanz.gwoe.net/
https://www.facebook.com/groups/343779062467678/?fref=ts

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