Zweitausendzweiundzwanzig

naturblau 2022

Als Ende der 60er Jahre Werbung noch Reklame hieß, forderte der Mineralölkonzern Esso (heute ExxonMobil) seine Kunden mit dem Slogan „Pack den Tiger in den Tank“ dazu auf, in Diesel und Benzin weit mehr als nur Treibstoff zu sehen. Hinsichtlich des eingeläutetem Verfallsdatums von Verbrennermotoren ist es längst mal wieder Zeit für einen zeitgemäßen Spruch zum Thema Strom als Kraftstoff.

Auch weil wir in 2022 laut Chinesischem Horoskop im Jahr des Tigers leben. Mit “wir” sind dann auch wohl eher die Menschen und weniger die letzten verbliebenen Tiger auf diesem Planeten gemeint.

Doch lasst uns positiv in dieses Jahr blicken, was die Zukunft anbelangt. Es ist einiges neu und noch mehr wird uns künftig bevorstehen:

Seit dem 1. Januar 2022 sind in Deutschland die nach wie vor so beliebten „Einkaufs-Plastiktüten“ verboten. Darunter fallen Einweg-Plastiktüten mit einer Wandstärke von 15 bis 50 Mikrometern (was auch immer das konkret für den Normalo/die Normaline verständlich bedeuten soll). Die dünneren Einweg-Plastiktüten zum Einpacken von Obst und Gemüse sind jedoch weiterhin erlaubt. Aber immerhin schon mal etwas.

Des weiteren wird das zig-millionenfache Kükenschreddern in der Legehennenhaltung ein Ende haben im neuen Jahr. Bisher wurden in deutschen Brutanstalten jährlich ca. 45 Millionen männliche Küken getötet, da sie weder für die Produktion von Eiern noch als Masthühner „nützlich“ sind. Seit Anfang Januar ist aber mit dem Töten von männlichen Küken Schluss – zumindest in Deutschland. Bei importierten Eiern ist Kükentöten weiterhin möglich. Der aufmerksame Beobachter hat auf so mancher Supermarkt-Eier Packung schon im Verlaufe des letzten Jahres den deutlich inszenierten Hinweis wahr nehmen können, dass eben diese Eier kükenschredderfrei seien. Ein schönes Beispiel wie gesetzliche Vorschrift zu eigenen Marketingzwecken optimiert wird.

Es gibt auch neue Pfandregeln: Seit dem 1. Januar 2022 wird die Pfandpflicht für Getränke in Plastikflaschen ausgedehnt. Das Bundesumweltministerium will mit den neuen Pfandregeln sowohl den Plastikverbrauch verringern, als auch dafür sorgen, dass weniger Plastikmüll in der Umwelt gelangt. Diese neuen Regeln umfassen viele Produkte, die bislang zum Teil von der Pfandpflicht ausgenommen waren, wie z.B. Frucht- und Gemüsesäfte, Smoothies, alkoholische Mischgetränke und die allseits immer beliebteren Energydrinks.

In Punkto Elektrogeräte müssen nun je nach Ladenfläche und Sortimentsauswahl sowohl Discounter wie auch Supermärkte künftig alte Elektrogeräte wie elektrische Zahnbürsten oder Handys wieder annehmen. Die Geschäfte müssen auch kleine Geräte wie kaputte Taschenrechner oder alte Rasierapparate auch dann annehmen, wenn sie anderswo gekauft wurden. Kampf dem Elektroschrott und eine höhere Recyclingquote der Rohstoffe soll damit gefördert werden.

Am 2. März 2022 ist der 50. Jahrestag der Veröffentlichung des Berichts Grenzen des Wachstums vom Club of Rome. Ganze fünf Dekaden sind vergangen seit dem diese veröffentlichte Studie – und heute das Standardwerk zum Thema Nachhaltigkeit – uns aufzeigt, wie sehr das aktuelle individuelle lokale Handeln aller globale Auswirkungen hat. Da dies jedoch nicht dem Zeithorizont und Handlungsraum der Einzelnen entspricht, sind die Folgen unseres Tuns oder eher Unterlassens weiterhin auf nicht sehr zukunftsfähgen Wegen. Die folgende Textzeile im Lied “Abschied” der Ärzte bringt dazu einen interessanten Aspekt mit rein:

Los komm, wir sterben endlich aus,
denn das ist besser für die Welt.
Der letzte Drink, der geht aufs Haus,
unsere Stunden sind gezählt.

Am Samstag, den 26. März 2022 ist es wieder soweit: Um 20.30 Uhr Ortszeit ist Earth Hour. Millionen Menschen, Städte und Wahrzeichen auf der ganzen Welt schalten für eine Stunde das Licht aus. Gemeinsam wird so ein starkes Zeichen für den Klimaschutz und unseren lebendigen Planeten gesetzt. Dass der weltweite Energiehunger an den anderen 364 Tagen im Jahr rasant ansteigt, steht auf einem anderen Feigenblatt.

„#OnlyOneEarth“ heißt das Motto des diesjährigen weltweiten Tags der Umwelt am 5. Juni. Der Tag, der jährlich mit zahlreichen Aktionen gefeiert wird, wurde vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) erstmals am 5. Juni 1972 ausgerufen. In diesem Jahr ist der Gastgeber Schweden. „Only One Earth“ war schon das Motto der Stockholmer Konferenz vor 50 Jahren, die zur Gründung der UNEP geführt hat. Ein halbes Jahrhundert später gilt das Credo und damit der Aufruf zu mehr Umweltschutz noch immer, bzw. immer mehr.

So, ein letztes Datum gibt es noch: Bis zum 31. Dezember steigt Deutschland vollständig aus der Stromerzeugung mittels Kernenergie aus. Die letzten drei deutschen Kernkraftwerke (Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2) sollen dann abgeschaltet und zurückgebaut werden. Schürt schon mal die Kohle ein für die dann eintretende steigende Verfeuerung von Stein- und Braunkohle. Oder: schraubt mehr denn je Photovoltaik-Module aufs Dach und lasst Windräder wie Unkraut aus dem Boden und Wasser sprießen. Am besten vor der eigenen Haustür.

Also: Willkommen 2022! Es gibt viel zu tun – packen wir’s an.

(Text-Quellen: Wikipedia, Utopia, u.a.)

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