Anlegen eines Firmen Permakultur Gartens

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Die Mitarbeitenden der Werteagentur naturblau+++ legen gemeinsam einen Permakulturgarten an. Herzstück sind die „3 Schwestern“. Dies ist eine Kombination aus Mais, Bohnen und Kürbissen.

Zusammen gärtnern wir das Jahr über im Team miteinander. Wir säen Wildblumenwiesen, bepflanzen ausgediente Einkaufswägen mit Gemüse, bauen verschiedene Insektenhotels und legen ein „Indianerbeet“ mit den „3 Schwestern“ an.

Das Indianerbeet ist Bühne für einen Auftritt ganz besonderer Art: Die »Drei Schwestern« sind es – Mais, Gartenbohne und Kürbis, die drei uramerikanischen Gemüsearten in attraktiver Mischkultur. Bereits die Maya bauten sie an. Heute haben vor allem Biogärtner und Permakulturisten diese geniale Mischkultur für den Garten entdeckt.
Der Mischanbau von Mais, Bohnen und Kürbis ist ein sich nahezu selbst erhaltendes System, das Jahr für Jahr erneut auf demselben Beet angebaut werden kann. Es ist schnell geplant und angelegt und gelingt auch auf kleiner Fläche, selbst auf Balkon und Terrasse. Das Indianerbeet ist damit eine attraktive Bereicherung für jeden Garten und auch für Kinder ein spannendes Projekt, um den Kreislauf der Natur mit allen Sinnen zu erleben.

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Die Aktion findet im Rahmen der Wettbewerbe „Jeder Quadratmeter zählt“, Nachhaltigkeitstage BadenWürttemberg“ und “ Deutsche Aktionswoche Nachhaltigkeit“ statt.

Vielfalt – unser Jahresmotto für 2018

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Willkommen in 2018 und einen guten und erfolgreichen Start wünschen wir allen unseren Partnern. Wir wollen dieses Jahr für unser Tun unter das Motto „Vielfalt“ stellen. Vielfalt in unserer Kreativität und den dabei entstehenden Werken, im Design und der Schöpfung von Neuem. Aber auch eine Vielfalt, wenn es um Projekte, bewährte Arbeiten und neue Kooperationen geht.

Vielfalt beinhaltet auch Veränderungsmöglichkeiten, eine Variationsbreite und Weiterentwicklungen. So wie naturblau+++ sich äußerlich geografisch und räumlich weiter entwickelt hat im vergangen Jahr und damit einhergehend auch innerlich auf inhaltlicher Ebene stetig fortentwickelt. Hier der > Link zu unserem blog, wo der Verlauf unseres Bauprojektes zu sehen ist.

Im Miteinander und Füreinander in der Agentur, in Verbindung mit unseren Partern und weiterführend im Zusammenspiel mit Gesellschaft und Umwelt wollen wir die Vielgestaltigkeit und den Reichtum an zukunftsfähigen Optionen aufzeigen und neue Wege gehen.

Auch die naturbezogenen Aspekte der Artenvielfalt, Biodiversität und der Erhalt von alten Sorten und Rassen bei Tier und Pflanze wird für uns dieses Jahr und in Zukunft eine große Rolle spielen.

Wir freuen uns auf die kommenden Aufgaben und Herausforderungen, sind offen für Neues und Unverhofftes und sehr gespannt darauf, was uns die nächste Zeit so mitbringen mag und was wir ihr dazubringen können.

naturblau+++ für den Deutschen CSR-Preis 2017 nominiert

CSR - Preis 2017Aus allen Teilen Deutschlands haben sich Unternehmen für den 9. Deutschen CSR-Preis, einer Auszeichnung für gesellschaftlich verantwortliche Unternehmen, beworben. Jetzt hat die Jury aus allen Bewerbern die 18 Finalisten nominiert. Bei der festlichen Preisverleihung am 4. April 2017 im Rahmen des Deutschen CSRForums 2017 in Ludwigsburg werden die aus dem Kreis der Finalisten gewählten Sieger bekanntgegeben.

Der Deutsche CSR-Preis wird seit neun Jahren vergeben. Er ist zusammen mit dem CSR-Preis der Bundesregierung und dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis die wichtigste Auszeichnung, die Unternehmen in Deutschland für gesellschaftlich verantwortliches Handeln erhalten können. Ausgezeichnet werden die Unternehmen in sechs Kategorien. Für jede dieser Kategorien hat eine fachlich qualifizierte Jury aus den Bewerbungen die besten drei nominiert Am Abend der Preisverleihung wird bekanntgegeben, wer von den drei Finalisten Sieger in seiner Kategorie wird.

Wolfgang Scheunemann, Kuratoriumsvorsitzender des Deutschen CSR-Forums und Vorsitzender der Jury des Deutschen CSR-Preises, ist über das Engagement der Unternehmen und mit der hohen Qualität der Bewerbungen sehr zufrieden: „Es ist beruhigend zu sehen, dass der in den USA derzeit proklamierte hemmungslose Egoismus von Gesellschaft und Wirtschaft in Deutschland kaum Anhänger findet. Deutsche Unternehmen legen Wert auf ein gutes
Verhältnis mit ihren Mitarbeitern und dem gesellschaftlichen Umfeld. Darüber hinaus engagieren sie sich beim Umwelt- und Klimaschutz oft wesentlich mehr als vom Gesetzgeber erwartet.

Der Deutsche CSR-Preis 2017 wird in folgenden Kategorien vergeben:
– „CSR-Award“ – Auszeichnung je einer Person für herausragendes CSR-Engagement jeweils in Deutschland und in Europa
– Biodiversitätsmanagement zum Erhalt der weltweiten biologischen Vielfalt
– CO2-Vermeidung als Beitrag zum Klimaschutz
– CSR in der Lieferkette
– CSR-Kommunikation
– Gender Diversity
– Bürgerschaftliches Engagement in Zusammenarbeit mit dem Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE) und Sonderpreis zu „Gelungene Maßnahme zur Flüchtlingsintegration“
– Vorbildliche Kooperation eines Unternehmens mit NGOs/NPOs

Reelle, unverfälschte Kommunikation ist wichtig, wie wir spätestens seit der Bekanntwerden von „Fake News“ und „alternativen Nachrichten“ wissen. Der Deutsche CSR-Preis in der Kategorie CSR-Kommunikation zeichnet Unternehmen aus, die Werbung von vertrauensvoller Kommunikation unterscheiden. Diese Unternehmen sind nominiert:
– iglo, Hamburg
– naturblau+++ Die Werteagentur, Konstanz
– WBM Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte, Berlin

 

Einen kurzen Trailer zum Engagement von naturblau+++ gibt es > hier.

Äpfel aus dem Paradies zu verschenken

naturblau Apfel Sharing
Foto von Ilmari Thömmes

Motiviert durch die Idee von Lebensmittelrettung zusammen mit Gedanken des Gemeinwohls und des Teilens wurde am Donnerstag, den 22.9. frei verfügbares Obst aus dem öffentlichen Raum im Konstanzer Stadtteil Paradies zusammen mit Rezeptideen an Passanten verschenkt.

Über 50 kg an Obst wurde in Papiertüten eingesammelt. An den Tüten waren Rezeptvorschläge für selbstgemachte Apfelmarmelade, -kompott und -saft befestigt. Die Tüten wurden an vorbeikommende Passanten verschenkt mit dem Hinweis, doch öfter mal was zu probieren, was garantiert natürlich gewachsen, ungespritzt und dazu noch kostenlos vor der eigenen Haustüre liegt.

Die beschenkten Passanten reagierten von freudig überrascht, über ungläubig, dass es was so ganz umsonst gibt, bis hin zu „oh, das finde ich toll, dass so junge Leute heutzutage so was noch machen“. Insbesondere ältere Damen und Herren erinnerten sich, dass dies in früheren Zeiten gang und gäbe war, selber zum Aufklauben zu gehen und auch fester Bestandteil der eigenen Ernährung durch die Jahreszeiten hindurch.

Die Mithelfer der Aktion waren selbst überrascht wie schnell sich die mitgebrachten Tüten mit Äpfel und Birnen füllen ließen. Einmal kurz an den Bäumen geschüttelt und schon regnete es herrlichste Vitamin- und Gaumenfreuden. Was auch auffiel war, dass es allein in der Gottlieberstraße unterschiedlichste Sorten an Obst in vielerlei Farben und Formen gab. Spannend wäre noch zu erfahren, warum gerade hier so viele Obstbäume auf öffentlichem Grund stehen (ist das vielleicht ein Relikt aus der Nachkriegszeit?) und wie diese zum Teil köstlichen Sorten denn alle so heißen.

Für den Transport sorgte das freundlicherweise zur Verfügung gestellte Leihradsystem TINK, eine Leiter und Obstpflücker wurde von monomeer beigesteuert. Lieben Dank für die Unterstützung.

> Link zur Fotogalerie der Aktion


Die Themen Regionalität, Saisonalität, Biodiversität bei Lebensmitteln sind gerade in aller Munde und daher kam die Idee zu einer öffentlichkeitswirksamen Aktion auf der Straße. Damit soll aufgezeigt werden, dass wertvolle, kostenfreie Nahrung bei uns vor der Nase liegt und was man damit alles leckeres machen kann. Gemeinwohl-, Foodsharing- und Mundraub-Gedanken spielen da mit rein.

Insbesondere die Bodenseeregion ist vor allem um diese Jahreszeit reich an einem voll gedeckten Tisch mit leckerem, gesunden Obst, aber auch Nüssen und Kräutern. Wozu dann noch die Äpfel aus Neuseeland und die Birnen aus Südamerika zu uns bringen, wenn wir hier mehr als genug haben? Und ab und an ein kleiner Wurm im Apfel ist doch auch mal ein willkommener Proteinsnack für alle Freizeit-und Hobby-Veganer, oder? 😉

Man muss es nur schlau machen, dann hat man nicht nur nahrhaftes Obst, sondern auch jede Menge Spaß dabei. Selbstverständlich sind hierbei auch Regeln zu befolgen, so dass sich keine rechtmäßigen Besitzer von Bäumen und Sträuchern „beraubt“ fühlen. Z.B. Achtung von Eigentumsrechten, behutsamer Umgang mit der Natur, nur für den Eigenbedarf pflücken, mit anderen Teilen und sich für die Pflege und Nachpflanzung von Obstbäumen engagieren.

Als netter Nebeneffekt wird der oder die Ein oder Andere vielleicht dazu animiert, mal wieder was selber zu kochen oder zu backen statt einfach und bequem fixfertig zu kaufen. Die Wertigkeit und die Arbeit bei der Zubereitung von frischen Lebensmitteln sich zu vergegenwärtigen und zu schätzen zu wissen.

Und man kann damit darüber hinaus auch gleichzeitig ein klitzekleines Zeichen setzen gegen den größten Lebensmitteldiscounter, der einem mit seiner aktuellen „einfachen“ Werbekampagne weiß machen will, dass man keine 10 Sorten von etwas braucht, sondern nur noch eine. Das ist ein Trugschluss – nicht die konzerngesteuerte, industrieagrar-gerichtete Einfachheit, sondern die natürliche, biodynamische und dezentrale Vielfalt garantiert uns einen Fortbestand von alten und heimischen Sorten.

Und: Einen Apfel im Paradies von einer Frau geschenkt bekommen – das war doch schon  immer etwas ganz besonderes; und muss auch nicht immer Sünde sein. 😉

Die Aktion soll aufmerksam machen auf einige Initiativen, die sich mit unterschiedlichen Gedanken zu Nahrungsmitteln im öffentlichen Raum und in unserer Umwelt machen.

Mundraub.org verfolgt das Ziel, in Vergessenheit geratene Früchte wieder in die Wahrnehmung zu rücken und in Wert zu setzen, um sie als Teil unserer Kulturlandschaft und der Biodiversität dauerhaft zu erhalten. Mundraub ist eine Plattform für alle, die heimisches Obst im öffentlichen Raum entdecken und die essbare Landschaft gemeinsam gestalten wollen. Mehrere zehntausend Menschen engagieren sich sowohl online, als auch im realen Leben, um auf einer interaktiven Karte im Netz Fundorte miteinander zu teilen, gemeinsame Pflanz- und Ernteaktionen durchzuführen oder in regionalen Gruppen auszutauschen. Die Vision von Mundraub ist es, heimische Obstbäume, Streuobstwiesen und Obstbaumalleen zu erhalten, um so ein fruchtiges Grundauskommen für alle zu schaffen.
http://mundraub.org

foodsharing setzt sich zusammen mit tausenden anderen engagierten Menschen für das Ende der Lebensmittelverschwendung ein. foodsharing ist eine Initiative, um Foodsaver und BotschafterInnen zu organisieren, Lebensmittel von Lebensmittelbetrieben aller Art zu retten, die Internationalisierung von foodsharing voranzubringen, Veranstaltungen zum Thema zu organisieren uvm.
https://www.facebook.com/groups/foodsharingkonstanz/
https://foodsharing.de/

Die Gemeinwohl-Ökonomie etabliert ein ethisches Wirtschaftsmodell. Das Wohl von Mensch und Umwelt wird zum obersten Ziel des Wirtschaftens. Wie würde eine Ökonomie aussehen, in der nicht das Geld, sondern das Gemeinwohl zum obersten Ziel des Wirtschaftens wird? Dazu zählen u.a. Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und das Teilen mit anderen. Und Essen mit Anderen zu teilen ist eine der ursozialsten Handlungen des Menschen.
http://konstanz.gwoe.net/
https://www.facebook.com/groups/343779062467678/?fref=ts

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Cradle 2 Cradle – Interview zum Kreislaufwirtschaftsmodell mit Dr. Michael Braungart

naturblau cradle2cradle Braungart

Das Prinzip Cradle to Cradle – zu Deutsch „Von der Wiege zur Wiege“ will nicht weniger als die Basis für die nächste industrielle Revolution sein. Im Kern besagt diese Kreislaufwirtschaft, dass alle in einem Fertigungsprozess eingesetzten Rohstoffe über den Lebenszyklus einer Ware hinaus wieder vollständig in den Produktionsprozess zurück gelangen sollen. Sowohl für biologische Kreisläufe bei Verbrauchsgütern sowie für technische Kreisläufe bei Gebrauchsgütern. Das Konzept kennt – wie die Natur selbst – keinen Abfall und soll positiven Einfluss auf Mensch, Wirtschaft und Umwelt schaffen. Es geht um einem neuen Umgang mit Ressourcen und Stoffströmen.

Der Cradle to Cradle Ansatz fängt ganz vorne in der Entwicklungs- und Herstellungskette an, nicht erst beim Recyceln. Das ist auch der Hauptunterschied zu bisher bekannten Verfahren, bei denen Materialen zwar wiederverwertbar sind, es aber entweder Abfallstoffe gibt, oder die Grundstoffe der Natur unwiederbringlich entzogen werden und es so zu einem weiteren Ressourcenschwund kommt.

Dass diese schon längst keine reine theoretische Vision ist, sondern schon heute in zahlreichen Produkten und Dienstleistungen Anwendung findet, zeigen zahlreiche Beispiele aus unterschiedlichsten Bereichen. Wenn es auch zunächst als Scherz anmutet, wenn Kleidungsstücke und Plüschtiere „essbar“ sind, da sie aus rein natürlichen Bestandteilen hergestellt wurden, sie sich aber ganz normal anfühlen und nicht von konventionell erzeugten Produkten zu unterscheiden sind, so wird das Ganze erst dann richtig spannend, wenn es um unendlich wiederverwertbare Kunststoffe, umweltfreundliche und gesunde Haushaltsprodukte und ganze Bauverfahren geht. Allein in Baden-Württemberg sind  rund 11.000 Produkte und 30 Firmen Cradle to Cradle zertifiziert.

Ein entscheidender Faktor, dass das in der Praxis funktioniert hierbei ist das Zusammenspiel von Ingenieuren, Marketing und Designern. Es erfordert von allen beteiligten bis hin zu den Mitarbeitern im Unternehmen vor allem ein kreatives Umdenken in den Köpfen.

Der Chemiker und Verfahrenstechniker Dr. Michael Braungart ist Vorreiter und einer der Vordenker von Cradle to Cradle. Zusammen mit seiner Ehefrau, der Mitbegründerin von Greenpeace Deutschland und Vorsitzenden des Cradle 2 Cradle e.V.  Dr. Monika Griefahn erläutert Sie in einem Interview das Cradle 2 Cradle Modell:

Wie müssen zukunftsfähige Produkte aussehen?

Dr. Monika Griefahn (MG)
Die Leute wollen in ihrem Alltag und beim Konsumieren Vielfalt, Qualität, Schönheit und sie wollen vor allem oft nicht dem Überfluss entsagen. Das geht aber nur dann lange gut, wenn wir es schaffen die linearen Linien des unwiederbringlichen Verbrauchens und Aufzehrens von Rohstoffen durch etwas neues und schlaueres zu ersetzen. Wir brauchen vor allem intelligente Produkte. Dabei geht es nicht so sehr um Effizienz, sondern vor allem um Effektivität. Wir brauchen die richtigen Produkte, wenn es um Essen, Kleidung, Wohnen und auch einen gewissen Lebensstandard geht. Das ist vor allem entscheidend bei den Ländern, die heute an der Schwelle der industriellen Entwicklung stehen, wo wir in Europa vor ein paar Jahrzehnten waren. Ich denke dabei z.B. an China, Afrika oder Indien, dass dort nicht die gleichen Fehler gemacht werden wie bei uns, sondern gleich die richtigen Produkte, die in Kreisläufe gehen, Verbreitung finden. Produkte müssen sexy sein, die Sinnlichkeit der Menschen ansprechen und dennoch müssen wir uns vom klassischen Konsum an manchen Stellen verabschieden. Es muss zukünftig sicher nicht ein SUV sein, sondern einfach ein gutes Verkehrssystem.

Dr. Michael Braungart (MB)
Wir verlieren momentan ca. 5.000 mal mehr Boden als dass neu hergestellt wird. Das heißt, dass die Erde für ca. 5 Milliarden Menschen ausgelegt ist, so wie wir jetzt wirtschaften. Das wiederum bedeutet, wir müssen die Dinge grundsätzlich neu und anders machen und nicht das bestehende nur stückchenweise Optimieren. Das ist nur eine scheinbare Verbesserung, löst aber nicht unsere Probleme im Ansatz.

MG
Ein wichtiger Anteil dieses neuen Machens ist, dass wir Produkte in Zukunft hauptsächlich nur noch Nutzen und nicht – so wie Heute – immer gleich besitzen wollen. Das wird der entscheidende Änderungsfaktor sein. Jüngere Leute wollen heute z.B. oft kein eigenes Auto haben, sondern nutzen CarSharing. Sie wollen nicht einfach nur doof einen Parkplatz suchen und viel Geld für ein veraltetes Statussymbol ausgeben. Sie wollen einfach nur von A nach B kommen. Auch vieles anderes wird heute geteilt und dieses Konzept findet sich auch in Cradle to Cradle wieder. Man kauft eine Serviceleistung wie z.B. 1000 Mal Waschen in einer Waschmaschine und nicht die Waschmaschine selbst. Das Eigentum darf nicht mehr so Religion sein, wie es heute noch meistens ist.

Welche Rolle kommt bei der Entwicklung von vorausschauenden Konzepten der künftigen Generation von Gestaltern und Designern zu und wie sieht es da momentan in der Lehre aus?

MG
Wir sehen an den Hochschulen viel Interesse und dass sich da einiges anfängt zu bewegen. Eine Vernetzung findet immer mehr statt und es wird erkannt, dass man sich um den gesellschaftlichen Anspruch kümmern muss. Wie kann man Dinge nützlich und positiv für die Menschen machen ist die Aufgabenstellung.

MB
Die Designer werden dadurch wirklich wichtig. Weniger dass sie ein Schnörkelchen hier und ein nettes Gadget da machen, sondern vielmehr, dass sie wirklich echte Gestalter werden, indem sie das Produkt innerhalb der gesamten Wertschöpfungskette beeinflussen können. Die Frage ist aber, haben wir hierbei genügend kreative Leute, die wirklich diese Verantwortung übernehmen wollen? Oder haben wir eher die Künstler, die ein einigermaßen gesichertes Einkommen haben wollen? Es darf eigentlich keine Designschule in Europa geben, die nicht Cradle to Cradle auf dem Plan hat. Der Designer steht bei unserem Ansatz im Mittelpunkt. Nur momentan ist es einfach so, dass die Hälfte der Designer einfach keine Lust hat dazu. Wir sprechen oft die falschen jungen Leute an, Designer zu werden. Viele Leute werden Ingenieure, obwohl sie eigentlich Designer wären. Viel Betriebswirte wären wunderbare Designer, Kommunikationsdesigner, Prozessdesigner, oder im Supply Chain Management genau an der richtigen Stelle – wenn man all diese Dinge als Designer machen könnte; das hätte eine ganz neue Qualität. Und vor allem muss man heute hierbei noch viel besser zusammen zu arbeiten in diesen unterschiedlichen Disziplinen. Auch in Hochschulen und in Unternehmen.

Wie kann dieses neue Denken und Handeln in der Gestaltung von Architektur und beim Wohnen ausschauen?

MG
Da ist es leider oft so, dass Dinge von Außen betrachtet schön ausschauen, aber inhaltlich am Ziel vorbeigehen. Oft wird zu kleinteilig gedacht. Der Mensch wird der Architektur angepasst und nicht die Architektur dem Menschen und der Natur. Der Baubereich nimmt fast die Hälfte aller Materialien und aller Energie ein, die wir verbrauchen und wenn der anders wird, dann hat das auch auf alle anderen Dinge einen positiven Einfluss.

Wenn es um Produktion der Zukunft geht, dann sind 3D Drucker ein großes Thema. Wie sehen Sie da die Chancen und Risiken dieser technischen Innovation?

MB
Das 3D-Druckmaterial, was sie momentan haben, ist eine Gemeinheit. Weder die Weichmacher, noch die Antioxidenzien, noch die UV Stabilisatoren – nichts ist wirklich für die Menschen hergestellt. Sie vergiften die Menschen quasi damit. Was Umwelt und Gesundheit angeht, sind die 3D Materialien noch extrem rückständig entwickelt. Wenn ich aber das 3D Material den Menschen nur als Dienstleistung anbiete und es z.B. in einer Art Bank lagere, wo man es sich ausleiht, dann kann ich viel bessere Materialein verwenden. „Lieber besser als billiger“ müsste auch hier die Devise sein.

Wo bedarf es staatlicher Regularien und politischer Vorgaben bei der Durchsetzung von nachhaltigem Handeln?

MG
Z.B. im Beschaffungswesen. Politik kann hier Beschaffungsrichtlinien vorgeben, in der Elemente eines verantwortungsvollen und umsichtigen Einkaufs vorgegeben werden. Studentenwerke machen dies sehr häufig, dass sie als öffentlicher Träger sinnvoll bewusst Material einkaufen.

MB
Und es gibt natürlich auch ganz klare Grenzen, was nicht privatisiert werden darf. Das sind elementare Dinge zur Daseinsvorsorge, wie z.B. Krankenhäuser und Trinkwasser. Da kann die öffentliche Hand Dinge vorgeben, die andere dann inspirieren. Die Kommune hat sicherlich die weitesten Handlungsmöglichkeiten. Auch im Bereich Wohnen. Hier könnte man mit den zuständigen Institutionen workshops durchführen und aufzeigen, dass eine Cradle to Cradle Bauweise durchaus gar nicht teurer sein muss, als konventioneller Bau.

Ein anderes Beispiel: Wenn z.B. Konstanz sagen würde, wir wollen 2020 alles Papier kompostierbar haben, dann würden die Konstanzer Druckerei eine Chance haben. In drei Jahren werden sie andernfalls weg sein. Weil über digitaldruck, über 3D Druck und über andere Dinge, werden sie über die Produktion von Broschüren und Zeitschriften den Offsetdruck gar nicht mehr halten können, weil sie zu teuer sind. Ich kann am nächsten Tag in Zürich die Broschüre aus China viel billiger einfliegen lassen. Und hier wird dann das ganze teuer entsorgt. Jetzt und heute geht es um Innovation. Und nicht erst morgen.

Wegwerfen ist eigentlich ein Lustvoller Vorgang, aber halt mit den richtigen Materialien. Man könnte z.B. einen Erlass erteilen, der besagt bis 2030 wird kein Müll mehr verbrannt. Das hätte zur Folge, dass die Produkte neu werden müssten. Nehmen Sie als Beispiel Babywindeln. 20 % der Konstanzer Müllmenge sind Windeln. Momentan sind diese Wasserspeicher so beschaffen, dass sie nur verbrannt werden können. Wenn man dies vom Material her ändern würde, könnte man das einsammeln, sterilisieren und ein Pflanz-Substrat gewinnen. Man könnte dann mit einem Baby 150 Bäume pflanzen. Heute wird nur an irgendwelchen belanglosen Pseudoinnovationen bei Windeln herumfuhrwerkt und dann über geschicktes Marketing verkauft. Wenn man einmal verstanden hat, dass weniger schlecht nicht gut ist, sondern nur schlecht weniger, dann möchte man mit weniger schlecht nicht weiter machen.

Weitere Infos: http://c2c-ev.de/

Das Interview führte Ralph J. Schiel im Rahmen der inselDENKER Show von Tobias Bücklein.

Naturschutzgebiet Bodenseeufer – Stockacher Aachmündung

Zwischen Bodman und Ludwigshafen, am Unterlauf der Aach und in den Flachwasserzonen, befinden sich die Reste eines Auwaldes. Hier brüten mehr als 50 Vogelarten, u.a. Haubentaucher, Zwergtaucher, Eisvogel und Pirol. Von einer Plattform aus lassen sich hier das ganze Jahr über Wasservögel beobachten. Im September und Oktober beispielsweise schlafen hier mehrere hundert Kormorane in den ufernahen Bäumen.

Die Bodensee Stiftung hat ein Projekt zur Auenwaldrenaturierung am Bodensee initiiert. Ein Ziel hierbei ist der Erhalt der biologischen Vielfalt in den natürlichen Wasserwechselzonen. Eine buchbare Wanderausstellung informiert Anwohner, Gemeinden und Besucher zu dem faszinierenden und wertvollen Lebensraum Auenwälder.

Wenn sich einem die Gelegenheit bietet, sollte man auf jeden Fall selbst einmal einen Spaziergang durch diese wunderschöne Uferzone machen. Die Tourist-Information Bodman-Ludwigshafen bietet eine interaktive Führung „6.000 Jahre an einem Tag“ an. Ein GPS-Navigationssystem leitet einen bequem und im eigenen Tempo zu Station, wo Wissenswertes, Spannendes zu erlebbarer Geschichte, archäologische Schätze und mystische Sagen audio-visuell aufbereitet sind. Mit einem Smartphone kann man im App-Store und GooglePlay Market die kostenlose App herunterladen. Ein wirklich sehr gut aufbereitetes Ausstellungsdesign 2.0.

Stockacher-Aach