Werbung im öffentlichen Raum – fröhlich bunt erleuchtete Diktatur

naturblau-aussenwerbungOb mir der Werbehammer über den Schädel gezogen wird, möchte ich so frei wie möglich entscheiden können. Beim Briefkasten kann ich einen illustren Aufkleber anbringen, im Fernsehen kann ich umschalten, in Zeitschriften weiter blättern, im Browser einen ad-blocker installieren. Sobald ich aber den öffentlichen Raum betrete, besteht ein Zwang auf Konsum von Außenwerbung. Möchte ich nicht in dauerhaft zu Boden blickender Demutshaltung – Mist, es gibt ja sogar dort diese miesen floor graphics – durch die Gassen wandeln, kann ich diese im öffentlichen Raum nicht umgehen. Auf Litfaßsäulen und an Plakatwänden, an Bussen und deren Haltestellen, bei Trafohäuschen und Hausfassaden, auf neben und an Rolltreppen, auf Taxidächern, an Bürgersteigen, und und und. Dieser Anregung zu künstlich herbeigeführten Entscheidungssituationen gibt es kein Entkommen. Egal in welcher Stadt, das wird immer gleichförmiger, wenn überall dieselben Werbekampagnen, dieselben Marken und Ketten das Straßenbild bebildern.

Wer schützt mich da vor den immer gigantischer werdenden Plakaten und vor den immer neuen Leuchtreklamen und Postern? Die Werbung hat die visuelle Vormacht an sich gerissen, ich sehe hier – im wahrsten Sinne des Wortes –  einfach nur noch Schwarz. Unter den schicken Begriffen „Stadtmöblierung“ (alles was größtmöglichst zum Konsum anregen soll), „Partnerschaftsmodell“ (Prämie, wenn ich meine Hauswand für Zigarettenwerbung verkaufe) werden die Vorteile für Stadt und Bürger beschrieben, wenn immer mehr hiervon sich hoch und breit macht.

„Unsere modernen Stadtmöblierungen sind für Städte kostenlos und werten das Stadtbild nicht nur optisch auf.“, heißt es da so werbeblumig formuliert auf der Internetseite eines „Out-of-Home-Medienanbieters“.

Man könnte es aber auch so formulieren: „Außenwerbung verkauft etwas, was ihr nicht gehört: das Blickfeld des Betrachters.“ (Howard Luck Gossage)

Einzig hoffnungsvoll stimmt mich die Tatsache, das mein werbegetrübtes Auge seit geraumer Zeit lustige, farbpulverbebomte Models erblickt, was in mir die Mutmaßung auslöst, dass da wohl grad kein Mieter für die Fläche  vorhanden ist. Und es werden immer mehr von diesen Platzhaltern.

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Warum nicht mal darüber nachdenken, diese Flächen für gemeinnützige Organisationen, Umweltverbände, soziale Projekte, Streetart oder einfach mal was, was nicht nur immer platt verkaufen will, zur Verfügung zu stellen? Alternativ gerne auch wieder Rückbauen und den Blick frei geben auf wesentlich Anmutenderes.

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Eine Antwort zu „Werbung im öffentlichen Raum – fröhlich bunt erleuchtete Diktatur“

  1. J.T.

    Sehr wohl! Da bin ich ganz Deiner Meinung. Ich würde sagen, das wäre ein Fall für den Gemeinderat.

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Kommentare sind geschlossen.